Von der Foodfotografie bis zu Fotohintergründen, die heute in ganz Frankreich im Einsatz sind: Joanie Dachy (Colors & Drops) blickt zurück auf das, was ein Fotobusiness wirklich am Laufen hält. Kleiner Hinweis: nicht die Kamera.
„Talent ist nicht alles." Das sagt Joanie Dachy, nach zwanzig Jahren Fotografie und zehn Jahren an der Spitze von Colors & Drops, dem führenden Shop für Fotohintergründe in Frankreich. Ihr ganzer Satz: „Ich habe verstanden, dass Talent nicht alles ist und dass du deinen Umsatz umso stärker vervielfachst, je besser du organisiert bist." Von einer Fotografin, die über hundert Kolleginnen ausgebildet hat, lohnt sich dieser Satz.
Colors & Drops wird diesen Monat zehn Jahre alt. Hinter der Marke steht ein Weg, der weit weg von Neugeborenen beginnt: ausgebildet in Food- und Werbefotografie wechselt Joanie zum Porträt, macht „ein bisschen von allem" und spezialisiert sich fast unbemerkt auf Neugeborenenfotografie. Es ist ihre beste Freundin, die sie darauf stößt: „Du bist doch eigentlich Neugeborenenfotografin." Und weil sie keine hochwertigen Hintergründe findet, baut sie ihre eigenen. Eine Kollegin muss sie zwei Jahre lang schieben, bis sie loslegt. Der Rest ist ein Unternehmen, das heute Fotografen im ganzen Land ausstattet.
Diese Folge des Fotostudio-Podcasts ist keine Ehrenrunde, sondern ein Werkzeugkasten. Das solltest du mitnehmen, wenn du von der Fotografie lebst.
Die 3 wichtigsten Punkte:
• Deine Persönlichkeit ist dein einziges echtes Unterscheidungsmerkmal.
• Weihnachtsshootings können die Hälfte deines Jahresumsatzes ausmachen.
• Bestandskunden zurückzuholen ist viel einfacher, als neue Interessenten zu gewinnen.
1. Verkörpere deine Marke, oder verschwinde im Preis
Joanies erste Feststellung ist brutal: Deine Kunden können dich nicht von anderen Fotografen unterscheiden. Bei zwei Angeboten, die sich gleichen, entscheiden sie nach dem einzigen Kriterium, das bleibt, dem Preis. Das einzige Gegenmittel bist du.
Die meisten Fotografen verstecken sich aus Angst vor Urteilen hinter der Kamera. Dieses Urteil kommt aber, so erinnert sie, vor allem aus dem eigenen Umfeld, Familie und Freunde, und genau die sind nicht deine Kundschaft. Nicht zu zeigen, wer du bist, heißt, dich zum Preiskampf zu verurteilen: „Wenn du keine Marke aufbaust und nicht zeigst, wer du bist, was du verkörperst, welche Werte du hast, kannst du Leute nicht überzeugen."
Die bewusst akzeptierte Folge: Du wirst nicht allen gefallen, und das ist gut so. Wenn du einige abschreckst, ziehst du die Richtigen an.
Sie gibt als Erste zu, dass sie sich nicht immer an ihre eigene Medizin hält: „Macht, was ich sage, nicht, was ich tue." Diese Offenheit gehört zur Botschaft.
2. Kreativität, dein einziger echter Vorteil
In einer Zeit, in der KI Kreativität für alle zugänglich macht, ist sie für Joanie das absolute Leitmotiv: „Kreativität muss das goldene Wort sein, das Leitmotiv. Sie macht letztlich alles."
Daher ihr anschaulichstes Bild: der Fotohintergrund als Skelett. Ein Hintergrund ist nicht das fertige Set, sondern eine Basis, die du einkleidest.
Genau da beginnt deine Arbeit: Requisiten, echte Objekte, Material hinzufügen, um eine Welt zu bauen und Interaktion auszulösen. Wenn das gut gemacht ist, sagt sie, „macht sich das Foto von allein", du wirst zum Zuschauer eines Moments, den du verewigst. Ihr konkreter Rat: biete mindestens drei Welten pro Shooting an, eine davon ganz einfach und zeitlos. Mehr Vielfalt heißt mehr verkaufte Bilder und einen deutlich höheren Durchschnittsbon.
3. Weihnachten: die Hälfte deines Jahres in drei Monaten
Das ist das Herz der Folge. Weihnachtsshootings (die berühmten „Mini-Sessions", ein Begriff, den Joanie übrigens ablehnt: „das ist nicht mini, das ist maxi") können die Hälfte deines Jahresumsatzes ausmachen, oder sogar mehr. Sie vergleicht es mit einer Surfschule an der Küste: Du gibst im Juli und August alles, weil dort alles entschieden wird.
Ihre Weihnachtszahlen auf dem Höhepunkt (aus dem Gedächtnis genannt, als Größenordnung zu verstehen):
• Rund 30 000 € Umsatz allein in der Weihnachtssaison
• 10 bis 15 Shootings pro Tag in der Spitze, „viel zu viel"
• 70 bis 80 Shootings pro Saison
Die wichtigste Botschaft passt in eine Zeile: Sprich das ganze Jahr über von deinen Weihnachtsshootings. Und, ergänzt Joanie, mit allen. Mit jeder Kundin schon beim ersten Shooting, aber auch mit deinem Bäcker, mit der Lehrerin, mit allen, die es hören wollen. Mundpropaganda von Mensch zu Mensch bleibt für immer das beste Marketing.
Der Weihnachtskalender, Version Joanie:
• März und April: du entwickelst. Colors bringt seine Weihnachtskollektion übrigens schon im Juni heraus.
• Juli und August: du teaserst sanft, zwei oder drei aufgestöberte Requisiten in der Story, du verwertest deine Sommerinhalte in anderen Formaten.
• Ende August und Anfang September: du gibst richtig Gas. Das sichere Fenster, um die Buchungen zu öffnen, ist die erste Septemberhälfte.
• Ab dem 1. September bis der Kalender voll ist: jeden Tag Content. Eine einzige Ankündigung und dann Stille füllt keinen Terminplan.
Ihre Unterscheidung zwischen Stories und Reels ist Gold wert. Stories sind flüchtig, sprechen die an, die dir schon folgen, und sind zum Verkaufen gemacht (Erinnerung: nur wenige deiner Follower sehen jede Story, also wiederhol dich). Reels dagegen zeigen dem breiten Publikum die Kulissen und die Vorbereitung. Und beim Bezahlen ist ihre Regel klar: Shooting vollständig im Voraus bezahlt. Ein No-Show, der nur eine Anzahlung geleistet hat, ist ein Verlust; ein No-Show, der nichts gezahlt hat, ist schlimmer.
4. Deine besten Kunden sind die, die du schon hast
Eine bestehende Kundin erneut zu gewinnen kostet unendlich viel weniger, als eine neue zu finden. Daher Joanies VIP-System: Die Weihnachtsbuchungen öffnet sie zuerst für ihre VIPs, also für alle, die mindestens einmal da waren. Das System entstand „aus dem Bauch heraus", und genau das bedauert sie: Sie wäre gern früher strenger und organisierter gewesen.
Eine Anekdote sagt alles über das Volumen: An einem VIP-Launchtag schickt sie ihre Ankündigungen per Mail, SMS und Facebook-Gruppe von ihrem Diensthandy. Die Antworten strömen so massiv herein, dass der Lautsprecher des iPhones am Ende durchbrennt. Ihr halb ernstes Fazit: Bündle deine Kundenkommunikation in einem echten Tool, statt dein Telefon dabei zu lassen.
5. Kleines Budget, kleiner Raum? Für alles gibt es eine Lösung
Der schönste Beweis, dass Einfachheit funktioniert, ist sie selbst. Ihre ersten Weihnachtsshootings hat sie im Wohnzimmer zu Hause gemacht: Möbel nach draußen, ein beiger Hintergrund, den sie schon hatte, eine günstige Decke, zwei oder drei Kugeln. Zwei Stimmungen, eine davon bewusst leicht und sparsam als Kontrast zur aufwendigeren.
Die zwei echten Zwänge, Budget und Platz, haben jeweils ihr Gegenmittel. Du kannst auch auf kleinem Raum zwei Sets aufbauen: eines, in das du investierst, plus ein sehr leichtes Setup. Und du aktivierst dein Netzwerk: das Haus deiner Eltern, die größere Wohnung eines Freundes, je nach Region eine Scheune oder eine Partnerschaft mit einem lokalen Geschäft. Ein Shooting in einem Modegeschäft bringt Laufkundschaft in den Laden: Alle gewinnen.
Ihr Mittel gegen die Frustration der Anfangszeit ist genauso klar: Vergleiche nie dein erstes Jahr mit einer vierzehnjährigen Karriere.
6. Papier, Stift und ein bisschen Mut
Vor jedem Tool verschreibt Joanie ein Blatt Papier und einen Stift: Schreib schwarz auf weiß, was du wirklich willst, wie viele Shootings, wie viele Sets, welches Budget, und ordne dann neu. Ihr aktueller Trick: Fotografiere dieses chaotische Brainstorming, gib es einer KI und lass sie „dein Gehirn neu ordnen", in einen Aktionsplan Schritt für Schritt. Denn, so ihr Fazit, „wenn man nicht weiß, was man will, geht man nicht in die richtige Richtung".
Und vor allem: wag es. Ihre ganze Karriere besteht aus aufgestoßenen Türen: die Facebook-Nachricht, eines Abends geschickt, aus der eine mehrjährige Partnerschaft wurde, die Kollegin, die sie zu Colors gedrängt hat. Mit Menschen zu sprechen verändert Leben, wortwörtlich.
Fazit: der Beruf liegt hinter der Kamera
Im Grunde läuft alles, was Joanie erzählt, auf eine Idee zu: Dein Beruf ist nicht vor dem Computer, er ist hinter der Kamera, bei den Menschen. Der Rest, Rechnungen, Anzahlungen, Erinnerungen, Kommunikation über mehrere Kanäle, verdient es, automatisiert zu werden, damit Zeit übrig bleibt. „Zeit gewinnen wir hinter der Kamera und nicht unbedingt vor dem Computer. Nämlich dann, wenn wir bei den Menschen sind, wenn wir Erinnerungen schaffen, wenn wir verewigen."
Kurz gesagt:
• Verkörpere deine Marke: Deine Persönlichkeit holt dich aus dem Preiskampf.
• Mach Weihnachten zu einem echten Höhepunkt, vorbereitet und das ganze Jahr kommuniziert.
• Verwöhne deine Bestandskunden und wag den ersten Schritt, auch im Kleinen.
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